[1. Bundesliga 2011/12] Die MAG-Halbzeitbilanz: Der FC Bayern steht wieder oben
13. Januar 2012, 12:23 geschrieben von Tschaikowskij, abgelegt unter Deutscher-Fussball, Deutscher-Fussball.
Heute in der Hinrundenanalyse: Tabellenführer FC Bayern. Die beiden Bayernfans Der Zwölfte Mann und Francescoli kommen zum Teil zu unterschiedlichen Einschätzungen.
FC Bayern München
Zwölfer und Francescoli: Wie fällt Eure allgemeine Bilanz zur Hinserie 2011/12 aus?
Der Zwölfte Mann: Insgesamt kann man eigentlich sehr zufrieden sein. Betrachtet man nur die Bundesliga, muss man allerdings feststellen, dass der FC Bayern wie schon häufiger in den letzten Jahren – wenn auch nicht in der Häufigkeit wie vor allem letzte Saison – zu oft unnötig Punkte liegengelassen hat. Vier Niederlagen sind mindestens zwei zu viel.
Francescoli: Ich sehe eine sehr gute Hinserie und bin zufrieden. In der Champions League hat der FC Bayern überzeugt, im Pokal ebenso. Und wenn wir die Bundesliga einzeln betrachten, dann kann man zunächst einmal sagen: Die Tabelle spricht für sich. Gewurmt hat mich aber die Niederlage gegen Hannover, die kam sehr unglücklich zustande. Auch die Auftaktpleite gegen Gladbach musste nicht sein. Mainz und Dortmund dagegen waren im Duell mit uns einfach besser und glücklicher. Wir hatten Umstellungsprobleme, waren nicht gut drauf und fanden einfach keine spielerischen Mittel. Das passiert. Nach diesem Zwischentief hat die Mannschaft aber wieder einen starken Schlussspurt hingelegt. Unterm Strich also eine gute Hinrunde.
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Platz: 1 |
| Punkte: 37 – 12S/1U/4N | |
| Heim: 21 – 7/0/2 | |
| Auswärts: 16 – 5/1/2 | |
| Bester Schütze: Mario Gómez 16 | |
| Bester Scorer: Mario Gómez 19 – 16 Tore/3 Vorlagen | |
| Zuschauerschnitt: 69.000 / Auslastung: 98,7 % | |
| Fair-Play-Wertung: Platz 6 / 38 Punkte |
Der FC Bayern legte nach der Auftaktniederlage gegen Gladbach eine beeindruckende Serie mit 22 Punkten aus acht Spielen ohne Gegentor hin. Dann folgte zwischen dem 10. und dem 14. Spieltag ein Einbruch mit drei Niederlagen in fünf Spielen. Woran liegt es, dass die Bayern nach dem starken Start so einbrachen? Und wie schwer wiegt in diesem Zusammenhang der Ausfall von Bastian Schweinsteiger?
Francescoli: Wie gesagt, Dortmund und Mainz haben guten Fußball gezeigt, und das muss man anerkennen. Natürlich fiel die blöde Verletzung von Bastian Schweinsteiger ins Gewicht. Schweini ist der zentrale Lenker in unserm Spiel. Seine Präsenz und Ruhe am Ball haben auf der Welt nur ganz Wenige. Schon als er gegen Augsburg nicht dabei war, hatten wir unübersehbare Probleme, denn auf seiner Position kann er eigentlich nur durch Toni Kroos ersetzt werden – und das auch nicht mit derselben Qualität. Noch nicht. Wobei Toni Kroos – das hat die Hinserie gezeigt – wiederum aufgrund seiner besonderen fußballerischen Klasse als Achter, oder wie es Löw formuliert: als “Zwischenspieler” am stärksten ist und der Mannschaft am meisten bringt. Insofern würde ich sagen, dass der FC Bayern nach Schweinsteigers Ausfall eine gewisse Zeit gebraucht hat, wieder mehr Struktur und höhere Handlungsgeschwindigkeit in sein Spiel zu bringen. Mit dem Spiel gegen zugegebenermaßen schwache Werderaner kam der Wendepunkt. Wir hatten uns ohne Schweini wieder gefunden. Und vor allem legten einige Spieler noch mal ne Schippe drauf. Vor allem Franck Ribéry hat in dieser Situation Verantwortung übernommen. Die Handschrift von Jupp Heynckes war da zu gut erkennen. Ribéry, Toni Kroos oder Thomas Müller tauschten im Spiel häufig die Positionen. Es war Bewegung drin – und wieder mehr Entschlossenheit. Gute Arbeit von Don Jupp!
Der Zwölfte Mann: Die Serie macht oberflächlich einen klasse Eindruck. Allerdings waren das auch zum Großteil Spiele, die ein FC Bayern einfach gewinnen muss, vor allem wenn man sich die Tabellensituation ansieht. Leverkusen ist traditionell in München gerne gesehen. Insofern bleibt dann Schalke als das einzige Spiel, das bei mir wirklich Eindruck hinterließ – und war zudem das einzig wirklich überzeugende Auswärtsspiel der kompletten Hinrunde. Dennoch waren die Spiele natürlich weitgehend souverän. Ein entscheidendes Problem war meiner Meinung nach die in München traditionell zu schnell einsetzende Selbstzufriedenheit – im ganzen Verein. Auch der Ausfall Schweinsteigers hat da sicher einen Anteil – eine Mannschaft mit diesen Ansprüchen muss das aber eigentlich souveräner abfangen können. Insofern macht aber der vor der Saison beabsichtigte Transfer von Vidal im Nachhinein doch einen gewissen Sinn.
Die Qualität der Mannschaft
Wo liegen die Schwachstellen, wo die Stärken der Mannschaft?
Der Zwölfte Mann: Die Abwehr bleibt trotz der Serie und der Neuzugänge weiterhin ein Schwachpunkt. Lahm hat viele Ballkontakte, lässt seinen immer großen Worten aber nur wenige Taten folgen. Die Neuzugänge stellen nur bedingt die vom Vorstand erwartete Verstärkung dar. Ebenso sieht man, dass nach Schweinsteiger sehr wenig im defensiven Mittelfeld kommt. Stärken liegen – wenn denn auch alle Spieler ihr Potenzial abrufen – in der Offensive. Zudem zeigt die Mannschaft ihre Routine, wenn sie einmal führt – in dieser Saison hat man, wenn man einmal in Führung ging, am Ende immer auch gewonnen.
Francescoli: Ich tue mich schwer damit, die Defensive von der Offensive so strikt zu trennen, und würde eher sagen, dass sich die gesamte Mannschaft beim Umschalten in beide Richtungen noch verbessern kann. Das heißt: Bei Ballverlust muss man schneller in eine kompakte Grundordnung zurückfinden. Da sind insbesondere Daniel van Buyten, Holger Badstuber und Jérôme Boateng nicht immer gut abgestimmt. Andererseits müssen Kontersituationen besser genutzt werden. Doch da kritisieren wir auf hohem Niveau. Denn insgesamt tritt der FC Bayern in der Bundesliga meiner Meinung nach sehr spielstark auf. Die fußballerische Klasse der einzelnen Spieler ist enorm hoch. Die Ballbehandlung ist ein Genuss, wenn man mal unseren Belgier ausnimmt. Der Spielaufbau ist sehr sicher, der Ball läuft gut. Das beginnt schon ganz hinten, denn da ragt vor allem die Spielintelligenz von Manuel Neuer und Holger Badstuber heraus. Manuel Neuer ist als offensiv denkender und kompletter Torwart Gold wert für den FC Bayern. Und Holger Badstubers scharfe und genaue Pässe durchs Mittelfeld oder seine langen Diagonalpässe macht ihm in Deutschland keiner nach. Man könnte auch andere Spieler oder Mannschaftsteile herausheben. Qualität ist da. Insofern können Schwächen allenfalls als relative Schwächen diskutiert werden.
Wie schätzt Ihr die Leistungen bzw. das Potential der Neuzugänge ein?
Der Zwölfte Mann: Dass ich von diesen Spielern nicht überzeugt war und bin habe ich ja mehrfach dargelegt. Nach der Hinserie fühle ich mich darin eher bestätigt. Neuer machte meiner Meinung nach Sinn, allerdings nicht zu diesem Preis. Leistungsmäßig kann man ihm wenig Vorwürfe machen. Bei den Niederlagen wirkte auch er nicht immer sicher – besonders in Mainz. Ansonsten stellt er aber den erwarteten Rückhalt dar. Er wird sich sicher mit der Zeit auch noch steigern. Boateng ist sehr fehleranfällig und bewirbt sich oft darum, mit dem heißesten Wasser duschen zu dürfen. An allen Bundesliganiederlagen war er maßgeblich beteiligt. Zudem spielt er nun doch auf rechts und nicht in der Innenverteidigung wie vorgesehen, wo er sogar das Nachsehen hinter van Buyten hat. Obwohl ich den Transfer nicht befürwortet habe, kann er mehr, als er bisher gezeigt hat und wird das hoffentlich bald abrufen. Rafinha fiel in gewisser Weise Boateng zum Opfer, da Heynckes auf Dauer rechts lieber auf den City-Neuzugang zu setzen scheint. Wenn er gespielt hat, waren seine Leistungen meist wechselhaft. Die Einschätzung, man hätte einen Rechtsverteidiger verpflichtet, der zu den besten der Liga gehören würde, kann ich nach wie vor nicht teilen. Er wird sich strecken müssen, wenn das in München was werden soll und wenn er nicht will, dass ihm bereits im Sommer ein weiterer Spieler vor die Nase gesetzt wird. Petersen war sich von vornherein bewusst, dass er am besten deutschen Stürmer wohl vorerst nicht vorbeikommen wird. Er zeigte sich allerdings in seinen wenigen Einsätzen als brauchbarer Ersatz. Hat sicher noch Luft nach oben, die er aber nur schwerlich freisetzen wird, wenn er kaum Einsätze bekommt.
Francescoli: Was das Potential der Neuen anbelangt, bin ich ganz optimistisch, dass wir vor allem von Rafinha und Jérôme Boateng noch einiges erwarten dürfen. Bislang waren ihre Auftritte zwar nicht immer überzeugend. Rafinha will in der Vorwärtsbewegung oftmals zuviel und kommt dann nach hinten in Bedrängnis, während Jérôme Boateng aufgrund seiner fußballerischen Voraussetzungen nur eine Übergangslösung für die rechte Seite darstellt. Aber man darf nicht vergessen: Beide sind erst seit einem halben Jahr in München. Nils Petersen ist ein gut ausgebildeter Fußballer; er hat nur das Pech, hinter einem Mario Gómez zu stehen, der in dieser Hinserie 16 Buden gemacht hat. Warum Takashi Usami nicht mehr Einsatzzeiten bekommt, kann ich nicht nachvollziehen. Ein hoch talentierter Spieler, vor allem im technischen Bereich. Vielleicht sieht der Trainer bei ihm noch Defizite im taktischen Verständnis und fehlende Robustheit. In jedem Fall traue ich Usami zu, dass er schrittweise näher an die erste Mannschaft heran kommt. Vielleicht sehen wir ihn in der Rückrunde häufiger. Manuel Neuer hab ich noch vergessen. Aber der ist schon vollständig in München angekommen – und von seiner Leistung her wohl über jeden Zweifel erhaben.
Heynckes Handschrift
Ist die von Jupp Heynckes praktizierte Rotation positiv zu bewerten?
Der Zwölfte Mann: Generell ist Rotation bei der Belastung in drei Wettbewerben notwendig. Allerdings ist der Kader auch etwas dünn besetzt und fällt in der zweiten Reihe doch recht deutlich von der ersten Elf ab. Bei Heynckes hat man manchmal das Gefühl, die Rotation verkommt zum Selbstzweck. Nur die Spieler des defensiven Mittelfelds auszutauschen – ohne erkennbare taktische Erwägungen – erscheint mir wenig sinnvoll. Auch das – zuletzt nicht mehr so häufig – praktizierte häufige Wechseln in der Abwehr erscheint mir eher kontraproduktiv.

Anatoliy Tymoshchuk hat im Moment die Nase vorn/Foto: www.Zaunsturm1905.de
Francescoli: Ich weiß gar nicht, ob man wirklich von Rotation sprechen kann. Okay, Anatoliy Tymoshchuk und Luiz Gustavo standen phasenweise wechselnd in der Startelf. Auch auf der rechten Verteidigerposition gab es, wie schon angesprochen, Wechsel zwischen Rafinha und Jérôme Boateng. Aber eine systematische Rotation kann ich nicht erkennen. Dass Don Jupp Wechsel bzw. Umstellungen vornimmt, ist eher spezifischen Umständen geschuldet: Formschwäche, Verletzungen, Sperren usw. Oder ein Spieler braucht mal eine Pause. In dem Zusammenhang: Hätte Anatoliy Tymoshchuk gegen Augsburg nicht Rot gesehen, hätte Luiz Gustavo sehr wahrscheinlich im nächsten Spiel nicht von Beginn an auf dem Platz gestanden. Heynckes sieht den Brasilianer leistungsmäßig hinter Tymoshchuk. Ich sehe also keine Rotation, außer vielleicht gegen Ingolstadt im Pokal oder beim bedeutungslosen Spiel in Manchester.
Stimmt Ihr zu, dass den Bayern wenig einfällt, wenn sie gegen defensiv gut organisierte Mannschaften spielen? Haben die Bayern zu wenige Kreativspieler?
Der Zwölfte Mann: Das ist eines der Probleme. Es geht aber nicht nur um defensiv gut organisierte Mannschaften, sondern vor allem solche, die dabei auch Einsatz und Kampf zeigen. Immer, wenn es nicht schon kurz nach Anpfiff so schien, als ob der Gegner damit zufrieden war, weniger als fünf zu fangen, hatte die Mannschaft Schwierigkeiten. Das liegt aber meiner Meinung nach weniger an den Kreativspielern, als vielmehr am stoischen Festhalten am van Gaalschen Positionsspiel und dem damit verbundenen gemächlichen Spielaufbau mit haufenweise Querpässen. Hier hat Heynckes meiner Meinung nach wenig verändert. Besonders in den Spielen gegen defensivstarke Gegner fehlt vorne oft die Bewegung und somit die Anspielstationen für die eigentlich ausreichend vorhandenen Kreativspieler.
Francescoli: Gegen defensiv gut organisierte Mannschaften muss man immer Besonderes leisten! Man kann auch fragen: Wie nimmt man einen Gegner auseinander, der extrem tief steht und mit elf Mann verteidigt? Eine Möglichkeit: Man spielt den Gegner müde und wartet darauf, dass er Fehler macht. Die muss man dann nutzen. Manchmal ist Geduld gefragt. Oftmals sind es in solchen Spielen die besonderen Aktionen, die die Entscheidung bringen. Der FC Bayern hat jede Menge Spieler, die mit einem Pass, mit einem Dribbling oder sonst wie ein Spiel für uns entscheiden. Klasse ist da. Verbessern kann man sich aber immer. Beispielsweise Luiz Gustavos Passqualität muss höher werden, und er muss etwas offensiver denken. Nur ein Scorerpunkt (ein Tor, kein Assist) ist zu wenig, wobei Anatoliy Tymoshchuk noch weniger zu bieten hat (null/null). Da ist noch Platz nach oben. Oder natürlich wünsche ich mir neben Holger Badstuber einen technisch begabteren Fußballer als Daniel van Buyten, der das Mittelfeld besser unterstützen würde. Da beginnt für mich bereits Kreativität. Und dann ist da noch Mario Gómez, der mich zur Weißglut treibt, wenn er einen Pass über fünf Meter nicht zum Mann kriegt. Okay, er macht seine Buden, aber gegen tief stehende und defensiv gut organisierte Gegner fehlt ihm für schnelles Kombinationsspiel einiges an Technik. Das trifft auch auf Thomas Müller zu. Aber beide verfügen über andere herausragende Qualitäten und sind für den FC Bayern gegenwärtig natürlich unersetzlich.
Die Einstellung auf dem Platz
Wie bewertet Ihr die Einstellung, mit der das Team auf den Platz geht?
Der Zwölfte Mann: Zwiespältig. Es gibt immer wieder Spiele, in denen sie meiner Meinung nach nicht stimmt. Vor allem Mainz und Dortmund, aber auch Gladbach sind da gute Beispiele. Im Dortmund-Spiel habe ich nicht den unbedingten Willen gesehen, der Bubi-Truppe zu zeigen, dass die letzte Saison nur ein Ausrutscher war. Das finde ich bedenklich.
Francescoli: “Einstellung” ist für mich doppeldeutig. Meistens meint man damit, dass alle elf bereit sind, 90 Minuten lang oder mehr den Acker umzupflügen. “Einstellung” kann aber auch bedeuten, wie ein Team taktisch und psychologisch auf den Gegner eingestellt ist. In dem Sinne würde ich sagen, dass die Mannschaft immer wollte. An der Bereitschaft, sich voll reinzuhängen, hat es meiner Meinung nach nicht gemangelt. Allerdings fiel unsern Jungs in bestimmten Spielen und Spielphasen zu wenig ein – vielleicht weil sie nicht gut eingestellt waren. Die spielerische Krise gab es ja auch, als fast zeitgleich Bastian Schweinsteiger ausfiel und Arjen Robben zurückkam. Das schaffte, wie eingangs schon angesprochen, Umstellungsprobleme. Aber die Motivation stimmte, auch wenn einige Statistiker glauben, mit der relativ geringen Laufleistung das Gegenteil beweisen zu können. Für mich ist die Information, ob ein Team 110 oder 120 Kilometer abreißt, ein eher marginaler Wert. Maßgeblich ist: Die Mannschaft hat es in den letzten drei Spielen noch einmal allen gezeigt und hat sich die verlorene Tabellenführung entschlossen zurückgeholt. Jupp Heynckes’ Team ist intakt.

Thomas Müller präsentiert sich weiterhin sehr stark/Foto: www.Zaunsturm1905.de
Wie sieht es denn mit Arjen Robben aus? Ohne Frage hat er große Klasse, aber ist er für das Team gewinnbringend?
Der Zwölfte Mann: Arjen Robben ist vermutlich der begabteste Fußballer im ganzen Kader. Allerdings verzettelt er sich zu oft in unnötige Aktionen. Er schließt dann überhastet aus aussichtsloser Position ab oder übersieht den Mitspieler. Zweifelsohne sind seine Solos und eins-gegen-eins Situationen eine Waffe, wenn er fit ist. Allerdings sollte er darüber nicht die Mitspieler vergessen.
Francescoli: Auch wenn Arjen Robbens Comeback gegen Dortmund im Nachhinein betrachtet zu früh kam und der Mannschaft nicht geholfen hat, war es insgesamt richtig von Jupp Heynckes, ihm schon in der Hinserie relativ großzügige Einsatzzeiten zu geben. Bleibt Arjen Robben gesund, wird er sehr bald wieder seine Normalform erreichen und uns noch viel Freude machen. Arjen Robben ist ein außergewöhnlicher Fußballer, dessen Egoismen man in gewissem Umfang ertragen muss.
Große Konkurrenz: Borussia Dortmund, Barça und Real Madrid
Wer kann den Bayern in dieser Saison Paroli bieten? Wie seht Ihr den FC Bayern für zukünftige Partien gegen die direkten Mitkonkurrenten gerüstet?
Der Zwölfte Mann: Vor allem der BVB. Die Mannschaft ist ausgeglichen und zeigt sich meiner Meinung nach in der Bundesliga stärker, allerdings etwas weniger abgeklärt, was sich auch in mehreren Punktverlusten nach Führung niederschlägt. Zudem hat die Mannschaft keine Doppelbelastung mehr zu kompensieren. Ich befürchte, dass der FC Bayern noch einige Punkte gegen die direkte Konkurrenz liegenlassen wird. Dabei denke ich vor allem an die Partien Gladbach und Dortmund, die man beide noch auswärts spielen muss.
Francescoli: In Bezug auf den BVB sehe ich das genauso. Dortmund hat die Qualität, uns bis zum Schluss in Atem zu halten, vor allem, weil die Dortmunder immer sehr lange Regenerationszeiten haben werden. Das ist im Frühjahr, wenn der FC Bayern ein Spiel nach dem anderen hat, ein immenser Vorteil. Aber Jupp Heynckes hat große Erfahrung. Der macht das schon. Ich freue mich jedenfalls riesig auf das Spiel am 10. April in Dortmund.
Kurz zum internationalen Geschäft: Wie seht Ihr die diesjährigen Chancen des FC Bayern in der Champions League?
Der Zwölfte Mann: Nunja, das hängt auch immer ein wenig vom Losglück ab. Die Hinrunde war phasenweise durchaus überzeugend. Gegen Basel muss man von einem FC Bayern – Manchester hin oder her – einfach erwarten, dass er sich deutlich durchsetzt. Was danach kommt weiss man aber nicht. Ich kann mir momentan nicht vorstellen, dass man Barcelona oder Real Madrid Paroli bieten kann – egal ob nun in einem oder zwei Spielen. Zudem lässt sich der FC Bayern dann auch gerne mal von schlechteren und eigentlich bereits geschlagenen Gegnern düpieren, so wie auch letzte Saison gegen Inter Mailand. Aber wir wissen ja, wie schnell das gehen kann im Fußball – wenn man sich noch steigern kann und Losglück hat, ist einiges drin.
Francescoli: Mir wird zuviel über das Finale im eigenen Stadion geredet. Das ist ein hohes Ziel. Denken wir jedoch besser erst einmal an die nächsten Spiele. Denn in der Champions League bist du schnell raus, auch wenn sich der FC Bayern wohl vor niemandem verstecken muss. Bis auf Barça und wohl auch Real spielen alle anderen Topklubs allenfalls auf unserer Augenhöhe. Aber jetzt steht erst einmal Basel an. Im Vorbeigehen erledigt sich das nicht.
Die Entwicklung des Vereins
Wie kann man die Arbeit des Gesamtvereins (Präsidium, Management, Jugendabteilung etc.) bewerten?
Der Zwölfte Mann: Das kommt darauf an, welche Maßstäbe man anlegt. Aus wirtschaftlicher Sicht machen die Herren wenig falsch – auch wenn sicher auch in diesem Bereich noch was drin ist. Sportlich bin ich allerdings nicht immer zufrieden. Beispiel: Die diesjährigen Neuzugänge. Die haben alle meine Erwartungen in sie erfüllt – was leider nur bei Neuer etwas Positives ist. Das war auch für viele andere absehbar. Ich kann nicht verstehen, warum ein Verein eine derart kostenaufwändige Scoutingabteilung betreibt, wenn dann am Ende so etwas dabei rauskommt. Zudem macht man immer wieder denselben Fehler beim FC Bayern – und man schickt sich laut letzter Aussagen eines Uli Hoeness an, diesen im Sommer wieder zu machen. So hat der Präsident dieser Tage verlauten lassen, dass man in der Abwehr noch was tun wolle, vorne aber so gut aufgestellt sei, dass man keinen Platz für Reus hätte. Das wird auf Dauer nicht funktionieren, auch in der Offensive müssen hin und wieder neue Reize gesetzt und die Konkurrenz belebt werden. Diesen Fehler hat der FC Bayern auch in der Vergangenheit schon häufiger begangen. Wie schon weiter oben angesprochen: Man ist gerne und schnell mit sich selbst zufrieden in München. Zur Jugendabteilung kann ich nicht allzu viel sagen, da man deren Arbeit nur dann einmal sieht, wenn es mal einer in die erste Elf schafft. Allerdings sehe ich es positiv, wenn die Ausstoßquote talentierter Spieler weiter auf dem Niveau der letzten Jahre bleibt.
Francescoli: Insgesamt kann man die Vereinsführung nur loben. Der Klub ist gut aufgestellt. Und Jupp Heynckes ist der richtige Mann für das Sportliche, der auch das Tagesgeschäft beruhigt. Allerdings meine ich, dass der FC Bayern zur weiteren Entwicklung einen Sportdirektor oder Technischen Direktor – wie auch immer – braucht, der unterschiedliche Herausforderungen im fußballerischen Bereich koordiniert: die Analyse fußballerischer Entwicklungen, die Umsetzung in adäquate Jugendarbeit, die Trainerausbildung, das Scouting, die Trainerauswahl etc. Ich weiß nicht, welchen Einfluss Christian Nerlinger tatsächlich ausübt, aber auf der Grundlage seines öffentlichen Auftretens erscheint er mir zu bieder. Ihm fehlen meines Erachtens Visionen. Zwei weitere Bereiche möchte ich kritisch anmerken. Zum einen erscheint mir der Umgang des FC Bayern mit den Ultràs wenig differenziert und zu altmodisch. Die Klubführung muss nicht alles gutheißen, sollte aber zu einer anderen Kommunikationskultur finden. Zweitens beunruhigen Meldungen, nach denen ernsthaft erwogen wird, Gazprom zu einem Hauptsponsoren zu machen. Sollen wir in Zukunft durch Trikotwerbung etc. Putins Despotismus legitimieren helfen? Das hätten wir nicht nötig.
Und wer wird Meister?
Zum Schluss: Wo landet der FC Bayern am Ende dieser Bundesligasaison?
Der Zwölfte Mann: Ich befürchte, nicht auf Platz 1. Man hat es verpasst, sich ein gewisses Polster zu schaffen, vor allem weil man zu viele Punkte in den Spielen gegen die Konkurrenz liegenlässt. Zudem war man auswärts selten überzeugend und der Spielplan ist so angelegt, dass eine Menge schwere Auswärtsspiele anstehen. Der über weite Strecken überzeugendere BVB hat zudem den Vorteil, sich vollständig auf die Liga konzentrieren zu können. Sollte man allerdings noch einmal eine Serie wie zu Beginn der Saison hinlegen, und die Konkurrenz weiterhin ab und an patzen, könnte es doch für Platz 1 reichen. Ich tippe daher auf Platz 1-3.
Francescoli: Dortmund wird uns wie gesagt in Atem halten. Wir werden in der Bundesliga voll gefordert sein. Ich vertraue der Mannschaft, dass sie mit dem Druck klar kommt, und sage: Wir werden Meister!
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