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[1. Bundesliga 2011/12] Die MAG-Halbzeitbilanz: Leverkusen - Zwischen Champions-League-Euphorie und Bundesliga-Alltag

17. Januar 2012, 12:21 geschrieben von KKE, abgelegt unter Deutscher-Fussball.


Bayer 04 Leverkusen

Während in der Champions League teils begeisternder Fußball geboten wurde, sucht Leverkusen national noch die Mittel zur Verbesserung ihrer Position. Wie die Halbserie im Detail unter Neu-Trainer Robin Dutt lief – heute in unserer MAG-Halbzeitbilanz.

Die Hinrunde

Nach einer überaus erfolgreichen Saison 2010/2011, die auf einem sehr guten zweiten Platz abgeschlossen wurde, mussten die Zähler zu Saisonbeginn wieder auf Null gestellt werden. Mit dem Saisonwechsel gab es zudem einen aus Leverkusener Sicht sicher unerwünschten Trainerwechsel. Mit Robin Dutt schien aber laut Expertenmeinungen ein fähiger Nachfolger für den zu Bayern München abgewanderten Jupp Heynckes gefunden.

Den ersten Rückschlag gab es bereits im ersten Pflichtspiel im DFB-Pokal bei Zweitligist Dynamo Dresden. Mit 3:0 lag Bayer nach 50 Minuten scheinbar sicher in Führung, zeigte sich dann aber als angenehmer Gast und verlor nach Verlängerung mit 3:4. Ein herber Dämpfer für die Rheinländer.

Als sich nach der Auftaktpleite gegen den FSV Mainz 05 herauskristallisierte, dass Leverkusen ein Torhüterproblem erwarten könnte, da sich sowohl Neuzugang Yeldell, als auch Giefer nicht mit Ruhm in ihren Einsätzen bedeckten, wurde unmittelbar gehandelt. Als Ersatz für den langfristig verletzten Adler wurde ein in der Medienlandschaft unbeschriebenes Blatt erkoren. Die Ausleihe sowie spätere Verpflichtung von Jungtalent Bernd Leno (VfB Stuttgart) war ein Glücksgriff. Leno überzeugte sofort und konnte sich durch teils bärenstarke Leistungen für eine Festanstellung empfehlen. Damit beendete er auch die sich anbahnende Torwartdiskussion. Rene Adler hatte mit hohen Gehaltsforderungen an Leverkusen für Aufsehen gesorgt. Nach der Verpflichtung von Leno hat sich eine Verlängerung des auslaufenden Vertrags des Nationalspielers erledigt.

Die Neuverpflichtung sorgte zumindest für einige Wochen für einen kleinen Aufschwung, bevor es wettbewerbsübergreifend gegen Chelsea, Köln und Bayern drei Niederlagen in Folge gab. Damit verlief der Start in die Champions League nicht gerade optimal, wenn auch die 2:0-Niederlage gegen den Champions-League-Finalisten aus 2008 keine Blamage darstellte.

André Schürrle – sucht in Leverkusen noch seine Vorjahresform/Foto: www.zaunsturm1905.de

In der Folge zeigte die Werkself zwei Gesichter. National reichte es zumeist nur zu sehr durchwachsenen Leistungen. Toprak offenbarte nur bedingt seine Qualitäten in der Defensive, auch Schürrle – der eigentliche Königstransfer – konnte dem Leverkusener Spiel noch nicht seinen Stempel so aufdrücken, wie er es regelmäßig in der vergangenen Saison in Mainz zeigte oder wie er es eindrucksvoll in der Nationalmannschaft vorführte. Gegen die Spiele der aktuellen Top 5 reichte es nur zu fünf Punkten (1S/2U/2N). Jedoch dürfte der Sechs-Punkte-Rückstand auf einen Champions-League-Platz vor allem durch die Niederlagen gegen vermeintliche Underdogs wie Mainz, Köln und Nürnberg zu erklären sein. Leverkusen spielte in der Bundesliga zu unkonstant. Weder mit 22 erzielten Toren noch mit 22 Gegentoren liegen die Rheinländer in der Bundesliga-Statistik in der Spitzengruppe. Dies manifestiert sich auch in der Tabelle: Der sechste Platz würde gerade noch zu der Europa-League-Qualifikation reichen und Stuttgart, Hannover sowie Hoffenheim sitzen den Leverkusenern in dem Nacken und hoffen darauf, einen Patzer ausnutzen zu können.

Im internationalen Geschäft konnte die Werkself jedoch mehr überzeugen. Der Aufktaktniederlage folgten Siege gegen Genk und Valencia. Unterbrochen durch die Niederlage im Rückspiel gegen Valencia gelang sogar der Heimsieg gegen Chelsea, der die Gelegenheit ergab, aus eigener Kraft als Gruppenerster ins Achtelfinale einzuziehen. Doch wie so oft in den vergangenen Jahren ließ Leverkusen zum Ende der Hinrunde etwas nach und musste sich nach dem Unentschieden gegen Genk mit Platz Zwei hinter Chelsea begnügen. Spieler und Verantwortliche werden der versäumten Chance nach der Achtelfinalauslosung sicherlich noch etwas mehr nachweinen. Die Wahrscheinlichkeit auf ein Weiterkommen gegen den ausgelosten Achtelfinalgegner FC Barcelona gilt als sehr gering. Nichtsdestotrotz ist der Einzug in die nächste Runde ein großer Erfolg für den Verein und die Freude auf zwei Spiele gegen die wohl seit Jahren weltbeste Vereinsmannschaft sehr groß.

Platz: 6
Punkte: 26 – 7S/5U/5N
Heim: 11 – 3/2/3
Auswärts: 15 – 4/3/2
Bester Schütze: Derdiyok 6
Bester Scorer: Derdiyok 6 – 6 Tore/0 Vorlagen
Zuschauerschnitt: 29.304 / Auslastung:97,0 %
Fair-Play-Wertung: Platz 10 / 43 Punkte



Personalien

Auch wenn die Hinrunde für die Werkself durchwachsen verlief, einige Spieler, die in der letzten Saison mehr und mehr auf das Abstellgleis rückten, konnten sich in dieser Saison wieder in den Vordergrund spielen. Allen voran ist sicherlich Michael Ballack zu nennen. Kam er noch in der kompletten Vorsaison auf nur 20 Pflichtspieleinsätze, was allerdings auch verletzungsbedingte Gründe hatte, startete er in dieser Saison durch. Bereits in der Hinrunde hat er die Grenze von 20 Einsätzen erreicht und konnte seine Torbeteiligungen von drei auf sechs verdoppeln.

Daneben geriet Manuel Friedrich zum Ende der letzten Saison auf die Ersatzbank, von der er sich auch zu Saisonbeginn nicht mehr in die Startelf kämpfen konnte. Nach zwei Kurzeinsätzen spielte er ab dem zehnten Spieltag sämtliche Begegnungen durch und konnte sogar in der Offensive mit zwei Torbeteiligungen einen kleinen Beitrag leisten. In der Vorsaison kam er bei mehr als doppelt so vielen Einsätzen lediglich auf eine.

Immer am Ball: Dauerbrenner Lars Bender/Foto: www.zaunsturm1905.de

Am vielleicht beeindruckendsten war allerdings die Leistung von Jungspund Lars Bender. Während sein Zwillingsbruder Sven sich beim BVB bereits in den letzten beiden Jahren für die Startelf empfehlen konnte, hatte Lars den Großteil seiner Einsätze Einwechslungen zu verdanken. Umso beeindruckender erscheint seine Leistung in der Hinrunde. Er bestritt alle 24 Pflichtspiele, wurde lediglich fünf Mal ausgewechselt und kommt damit auf die höchste Einsatzzeit aller Bayer-Spieler.

Die Hinrunde bedeutete für Leverkusen auch den Verzicht zu üben. Nach dem Abgang von Vidal (Juventus Turin, 10,5 Mio. €), der in der Vorsaison wohl der leistungsstärkste Spieler war, fehlte verletzungsbedingt über die komplette Hinrunde zusätzlich der Schweizer Tranquillo Barnetta (Muskelbündelriss), dessen Rückkehr bisher noch nicht datiert ist. Auch Offensivmann Renato Augusto musste nach gerade einmal zehn Einsätzen die Segel streichen. Eine Knie-OP machte weitere Einsätze in der Hinrunde unmöglich – Rückkehrzeitpunkt ebenfalls unbestimmt.

Zu- und Abgänge

In der Winterpause tat sich nicht besonders viel. Im Verlauf der Hinrunde sicherte sich Bayer ab dem Sommer die Dienste von Nürnbergs Innenverteidiger Wollscheid, weil wohl eingesehen wurde, dass die neuen Abwehralternativen nicht viel besser als in der Vorsaison sind und weiterhin Nachholbedarf besteht. Zwei fixe Abgänge sind im Winter zu verzeichnen. Zunächst wurde Stürmer Jörgensen für 1 ½ Jahre an Kaiserslautern verliehen, wo er deutlich höhere Einsatzchancen hat. Weiter wurde Hanno Balitsch nahe gelegt, sich einen neuen Verein zu suchen. Nun darf sich der FC Nürnberg über die Dienste des einmaligen Nationalspielers erfreuen.

Darüber hinaus ist der Leno-Transfer festzuhalten, den sich Bayer stattliche 7,5 Mio. € kosten ließ. Sein Vertrag endet erst 2017, sodass die Torwartposition wohl langfristig verplant ist.

Weitere Verstärkungen, die im Sommer folgen könnten, sind bisher nicht sehr konkret. Kolportierte Wechselgerüchte um Dimitar Berbatov oder Roman Neustädter wurden von den Verantwortlichen unmittelbar bestritten. Letzterer kommt nun beim FC Schalke 04 unter. Lediglich im Kampf um den ablösefreien Schmiedebach könnte Leverkusen eine Rolle spielen, zumal Michael Ballack die Absicht äußerte den Verein im Sommer zu verlassen. Auch der langjährige Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser kündigte seinen Abschied an. Dieser soll allerdings erst 2014 unter Nennung privater Gründe erfolgen.

Trainer und Umfeld

Robin Dutt wurde mit einigen Vorschusslorbeeren bestückt, konnte die hohen Erwartungen allerdings lediglich in der Champions League erfüllen. Vor allem die recht enttäuschende Bundesliga-Hinrunde und das unerwartete Pokal-Aus führten dazu, dass Sportdirektor Völler seinem Trainer vorsichtig die Pistole auf die Brust setzte. Zwar wurde in den öffentlichen Äußerungen weniger Kritik am Trainer denn an den Spielern geübt, doch sollte sich die durchwachsenen Leistungen in der Liga häufen, könnte Dutt als vermeintlich schwächstes Glied der Kette vorzeitig entgegen den aktuellen Überzeugungen des Vorstands entlassen werden.

Selten machte Dutt den Eindruck, in Leverkusen richtig angekommen zu sein. Der Versuch, sich bei den Spielern mehr Respekt zu verschaffen, manifestiert in der Freigabe von Balitsch, wurde medienweit vornehmlich mit Überraschung und Unverständnis zur Kenntnis genommen. Selbst Ex-Trainer Heynckes zeigte sich erstaunt, dass es ausgerechnet Balitsch traf und bezeichnete das Handeln für ihn als nicht nachvollziehbar. Völler, wie auch Holzhäuser stellten sich – den wiederkehrenden Unmutsbekundungen einiger Fans zum Trotz – hinter den Trainer, aber machten klar, dass Dutt wieder überzeugter von seiner Arbeit sein müsse, wie er es zu Beginn seiner Zeit bei Leverkusen gewesen sei.

Rudi Völler wird noch lange bei Bayer04 arbeiten – vorerst bis 2017/Foto: www.zaunsturm1905.de

Völler als Sportdirektor steht indes scheinbar kritiklos da, sein Vertrag wurde bis 2017 verlängert. Die Verantwortung dafür, dass erneut wenig in die Abwehr investiert wurde, ist wahrscheinlich nicht ausschließlich in den Vorstellungen des neuen Trainers zu suchen. Die kritische Hinterfragung dieses Handelns scheint mit der Verpflichtung von Wollscheid bereits abgeschlossen. Ansonsten ist Völler allerdings ein vorbildliches Zeugnis auszustellen, was wohl auch der Grund für diese äußerst langfristige Verlängerung gewesen ist. Immer wieder konnten vergleichsweise günstige Spieler mit viel Potenzial verpflichtet werden.

Saisonziel und Prognose

Nach dem Pokal-Aus und dem unwahrscheinlichen Einzug ins Viertelfinale der Champions League, dürfte Leverkusens Konzentration sicherlich stark auf der Bundesliga liegen. Ziel wird eine erneute Qualifikation für die Königsklasse sein. Zumindest für die Qualifikationsrunde berechtigt seit dieser Saison wieder Platz vier, der also mindestens erreicht werden sollte. Angesichts der Voraussetzungen ist es gut möglich, dass Leverkusen weitere Plätze gut machen kann, zumal mit Hannover und Schalke zwei der direkten Konkurrenten aussichtsreiche Chancen besitzen, in der Europa League eine größere Rolle zu spielen. Aber auch ein knappes Verpassen der Champion-League-Qualifikation ist denkbar.

Tipp: Platz 3-5


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