[1. Bundesliga 2011/12] Die MAG-Halbzeitbilanz: Aufsteiger FC Augsburg - mehr als nur Puppentheater
15. Januar 2012, 13:03 geschrieben von Elbefohlen, abgelegt unter Deutscher-Fussball.
Heute nimmt Gastredakteur huggi im Rahmen unserer MAG-Halbzeitbilanzen den FC Augsburg unter die Lupe, der nach durchwachsenem Start dann doch richtig im Oberhaus angekommen und für den der Klassenerhalt keine Utopie ist.
Wir bedanken uns bei unserem Gastredakteur huggi, der voller Vorfreude auf die Bundesliga blickt und die Vorschau für “seinen” FCA verfasst hat.
FC Augsburg
Die Hinrunde
Beim FC Augsburg konnte man trotz des 17. Tabellenplatzes relativ ruhige und besinnliche Weihnachten feiern. Man steht zwar auf einem Abstiegsplatz, hat aber den Anschluss an die Nichtabstiegsplätze wiederherstellen können und verbringt den Jahreswechsel nicht – wie viele gewettet hätten – auf dem letzten Tabellenplatz. 15 Punkte stehen auf dem Konto des FCA und es hätten eigentlich gerade zu Beginn der Saison ein paar mehr sein können, wenn nicht sogar müssen. Ich denke da besonders an den leichtfertig verschenkten Sieg auf dem Betzenberg. Besonders die zu große Naivität im Zweikampfverhalten konnte man nach und nach abstellen und gegen Ende der Hinrunde haben sich dann auch entsprechend die Erfolge eingestellt. Besonders die Spiele im November und Dezember lassen hoffen und haben einen deutlichen Aufwärtstrend gezeigt.
Der Saisonverlauf |
Platz: 17 |
| Punkte: 15 – 3 S/6 U/8 N | |
| Heim: 9 – 2/3/3 | |
| Auswärts: 6 – 1/3/5 | |
| Beste Schütze: Mölders – 4 Tore | |
| Bester Scorer: Mölders 6 – 4 Tore /2 Vorlagen | |
| Zuschauerschnitt: 30.159/ Auslastung: 98,4% | |
| Fair-Play-Wertung: Platz 8/ 43 Punkte |
Nach zwei Remis zu Beginn der Saison setzte es drei aufeinanderfolgende Pleiten und man fand sich ziemlich schnell im Tabellenkeller wieder. Ab dem 4. Spieltag stand man auf einem der Abstiegs- bzw. auf dem Relegationsplatz. Es dauerte bis zum 9. Spieltag in Mainz, bis man den ersten Sieg der Bundesligageschichte feiern konnte. Die Abstiegsplätze konnte man dadurch leider nicht verlassen und man drohte trotzdem langsam den Anschluß zu verlieren. Dieser Trend kippte nach guten Leistungen gegen die Bayern und den VfB Stuttgart, mit denen man sich zwar viel Lob aber eben keine Punkte verdiente, endlich mit dem ersten Heimsieg gegen den VfL Wolfsburg. Zwei Wochen später folgte der nächsten Coup, als mit der Borussia aus Mönchengladbach ein Spitzenteam der Hinrunde besiegt und anschließend der Aufwärtstrend mit einem schwer erkämpften Punkt in Hamburg gekrönt wurde.
So steht man jetzt drei Punkte hinter den Nichtabstiegsplätzen und kann sich durchaus noch etwas ausrechnen in der Rückrunde. Das Ziel Klassenerhalt ist immer noch sehr real und durchaus im Bereich des Möglichen.

Sascha Mölders – allzu oft auf sich allein gestellt im Sturm /Foto: www.zaunsturm1905.de
Personalien
Die Personalie, die wohl den meisten Wirbel in Augsburg ausglöst hat, hat keine einzige Minuten in der Bundesliga gespielt: Michael Thurk. Für alle völlig überraschend wurde der Torjäger noch vor dem ersten Spieltag von Trainer Luhukay aus dem Kader geworfen, was eine für Augsburger Verhältnisse, richtige Schlammschlacht nach sich zog. Die Akte Thurk konnte glücklicherweise in der Winterpause geschlossen werden. Er wechselt zum FC Heidenheim, was wohl das Beste für alle Beteiligten ist. Neben dem Abgang von Thurk geht auch der Kapitän von Bord. Energie Cottbus hat Uwe Möhrle eine berufliche Absicherung nach seiner Karriere geboten. Der FCA hat seinen Kapitän daraufhin zur Winterpause ziehen lassen. Auf dem Feld hätte er es wohl schwer gehabt in der Rückrunde neben Sankho, Langkamp und Callsen-Bracker, weshalb der Verlust zu verschmerzen ist. Wie sehr Möhrle als Kapitän und Führungsspieler fehlen wird, muss sich zeigen. Auch der glücklose Patrick Mayer wechselt zurück zum FC Heidenheim, was weiteren Platz für Neuzugänge schafft.

Jan-Ingwer Callsen-Bracker – Defensivspieler mit Torinstinkt /Foto: www.zaunsturm1905.de
Zur Zeit kann man beim FCA nur eine Neuverpflichtung vermelden: Jan Moravek kommt von Schalke 04 auf Leihbasis. Er soll für mehr Kreativität im Mittelfeld und für Torgefahr sorgen. Laut Manager Rettig sollen aber noch weitere Zugänge folgen. Gehandelt werden vor allem Spieler fürs Mittelfeld und Stürmer, da der FCA in der Hinrunde oft einfallslos nach vorne gespielt hat und auch vor dem Tor nicht zwingend genug war.
Fernab von Transfers wird aber das Wichtigste in der Rückrunde sein, dass das Verletzungspech endlich ein Ende nimmt. Mit Simon Jentzsch, Paul Verhaegh, Sebastian Langkamp, Marcel de Jong, Axel Bellinghausen, Marcel Ndjeng, Dawda Bah, Nando Rafael, Stephan Hain und seit neuestem Edmond Kapllani hatte der FCA wohl mit die meisten Ausfälle aller Bundesligisten zu beklagen. Sollten endlich mal alle fit bleiben, hat Jos Luhukay auch wieder Auswahl und kann eine schlagkräftige Truppe aufbieten.
Trainer und Umfeld
Nachdem Andreas Rettig bekannt gegeben hat, dass er seinen im Sommer auslaufenden Vertrag nicht verlängern wird, läuft im Hintergrund die Suche nach einem, bzw. zwei Nachfolgern. Der FCA will den bisherigen Job von Rettig aufsplitten und zwei Fachleute dafür verpflichten. Die Nachricht vom Ende von Rettigs Tätigkeit hat im Umfeld allerdings keine Unruhe ausgelöst. Der Manager geht fleißig seinem Job nach. Er konnte die Verträge von Leistungsträgern wie Jentzsch, Callsen-Bracker, Werner, de Jong oder Torsten Oehrl unabhängig von der Klassenzugehörigkeit verlängern. Weitere Unterschriften werden hoffentlich bald folgen, sodass das Grundgerüst der Mannschaft bestehen bleibt. Auch der Trainer wird unabhängig von der Klassenzugehörigkeit weiterhin Jos Luhukay heissen. Der Holländer leistet hervorragende Arbeit, die im ganzen Verein geschätzt wird. Er genießt die volle Rückendeckung von Management und Vorstand und kann sich so ganz auf seine Mannschaft konzentrieren.

Jos Luhukay – mit Jobgarantie und Zuversicht ausgestattet /Foto: www.zaunsturm1905.de
Die selbe Rückendeckung erhält die Mannschaft von ihren Fans. Die Euphorie am Beginn der Saison war riesengroß, aber kaum jemand hat unrealistische Ziele formuliert. Deshalb blieben die Fans ihrer Mannschaft auch nach Niederlagenserien treu. In Augsburg weiß man ganz genau, wo die Mannschaft steht und vor allem wo die Mannschaft herkommt – nämlich aus der Bayernliga.
Die ganze Saison über herrscht schon eine wunderbare Atmosphäre im Stadion, das bis auf Restkarten immer ausverkauft war. Selbst nach Niederlagen feiern die Fans ihre Mannschaft. Und die Stimmung nach den beiden Heimsiegen war natürlich überragend.
Ich erwarte, dass sich dieser Zuspruch die komplette Rückrunde so fortsetzt, egal wie der Tabellenstand sein wird. Diese Fans im Rücken können noch ein großer Pluspunkt für die Schwaben werden.
Saisonziel / Prognose
An der Einschätzung zu Beginn der Saison hat sich nichts geändert. Es geht weiterhin nur um den Klassenerhalt oder zumindest um den Relegationsplatz. Aber der FCA hat besonders in den letzten Spielen gezeigt, dass man auf jeden Fall mithalten kann. Wenn man sich jetzt noch in der Winterpause verstärken kann und in der Rückrunde vom Verletzungspech verschont bleibt, dann ist ein Nichtabstieg durchaus realistisch.

Keeper Simon Jentzsch – nach Verletzung zurück /Foto: www.zaunsturm1905.de
Viel wird vom Rückrundenstart abhängen, wo man gleich in den ersten vier Spielen neben der TSG 1899 Hoffenheim gegen die drei direkten Konkurrenten Freiburg, Kaiserslautern und Nürnberg spielen muss. Wenn man in diesen Spielen fleißig punktet ist ein Nichtabstieg im Rahmen des Möglichen. Sollte der FCA in diesen Spielen allerdings patzen, kann der Anschluss auch ganz schnell verloren werden.
Tipp: Platz 15 – 17
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