[1. Bundesliga 2011/12] Die MAG-Halbzeitbilanz: Hannover 96 - gelingt wieder der Sprung nach Europa?
18. Januar 2012, 12:24 geschrieben von tofu87, abgelegt unter Deutscher-Fussball.
Trotz aller Unkenrufe hat Hannover 96 seinen Platz in der oberen Tabellenhälfte verteidigen können. Das MAG blickt auf die Landeshauptstadt Niedersachsens und wagt eine Prognose, ob Slomka & Co. den Blick wieder nach Europa richten dürfen.
Hannover 96
Die Hinrunde
Viele der Kritiker rechneten nach dem sensationellen Abschneiden von Hannover 96 in der Saison 2010/11 mit einem Einbruch, der zwar nicht den Absturz wie beim FSV Mainz 05 in die Abstiegszone, aber zumindest ein Abrutschen ins graue, unbedeutende Mittelfeld bedeuten sollte. Doch die Roten bewiesen das Gegenteil, wenn es bisher auch noch nicht für den Sprung wie im abgelaufenen Jahr auf Platz vier reichte, zumindest beträgt der Rückstand zu den Europa-League-Plätzen nach der Hinrunde nur zwei Punkte. Dabei kam ganz besonders die Heimstärke der Hannoveraner zu tragen, denn man blieb in allen neun Partien in der AWD-Arena ungeschlagen und holte mit 17 Punkten das Gros der insgesamt 23 Punkte. Dabei ließen die Niedersachsen auch den amtierenden Meister Borussia Dortmund und den Herbstmeister Bayern München alt aussehen und schlugen beide Spitzenteams jeweils mit 2:1.

Mirko Slomka hat allen Grund, mit seiner Elf zufrieden zu sein. /Foto: www.zaunsturm1905.de
Das eigentliche Highlight bot das Team von Mirko Slomka jedoch an anderer Stelle, als der FC Sevilla fast schon sensationell in der Play-Off-Runde der Europa-League-Qualifikation ausgeschaltet wurde. Kaum einer traute der langjährigen grauen Maus der Bundesliga gegen den spanischen Dauergast im europäischen Wettbewerb etwas zu. Doch auch hier überraschten die 96er und erreichten nach dem 2:1-Hinspielsieg zu Hause im Rückspiel ein 1:1, was zum Weiterkommen reichte. Torschütze des wichtigen Auswärtstores war Mohammed Abdellaoue, der auch in der Liga vor dem Tor regelmäßig die Ruhe bewahrte und schon neunmal einnetzte. Damit ist der Norweger des beste Torschütze seines Vereins. Aber auch er konnte die einzige Schwäche Hannovers nicht ausmerzen – auswärts wird viel zu selten gepunktet. Wettbewerbsübergreifend wurden nur vier von 13 Spielen gewonnen. Anscheinend tun sich die Roten schwer damit, ihr Spiel auch auf Gegners Platz aufzuziehen. Nichtsdestotrotz gelang es, die Gruppenphase in der Europa League zu überstehen. Dabei ließ Hannover mit dem FC Kopenhagen eine nicht zu unterschätzende Mannschaft hinter sich, nur Standard Lüttich musste der Vortritt gelassen werden. Das kann die Mannschaft in der Runde der letzten 32 nun gegen den nächsten belgischen Kandidaten besser machen, dort geht es gegen den von Christoph Daum trainierten FC Brügge.

| Platz: 7 |
| Punkte: 23 – 5S/8U/4N |
| Heim: 17 – 4/5/0 |
| Auswärts: 6 – 1/3/4 |
| Bester Schütze: Abdellaoue 9 |
| Bester Scorer: Abdellaoue 11 – 9 Tore / 2 Vorlagen |
| Zuschauerschnitt: 45.748 / Auslastung: 93,4% |
| Fair-Play-Wertung: Platz 17 / 51 Punkte |
Personalien
Große Probleme innerhalb des Kaders tauchten trotz der Mehrbelastung durch die Europa League zu keinem Zeitpunkt auf. So konnte Mirko Slomka fast durchgehend auf die selben Spieler setzen, die schon im Vorjahr geglänzt hatten. Einzig Christian Pander konnte sich in die Mannschaft spielen, bei 16 Einsätzen brachte es der frühere Schalker immerhin auf neun Partien von Beginn an. Ein enormer Fortschritt, wenn man bedenkt, wie sehr Pander während seines königsblauen Daseins von Verletzungen gebeutelt war und einige eine Rückkehr des ehemaligen Nationalspielers schon verworfen hatten. Er sollte aber der einzige gewinnbringende Neueinkauf bis dato bleiben, Daniel Royer, Artur Sobiech und Henning Hauger brachten es zusammen gerade einmal auf sieben Teilzeiteinsätze. Für die Neulinge war es nun auch schwierig, schließlich hatte sich aus dem Stamm kaum einer Schwächen geleistet, sodass Slomka trotz der großen Anzahl der Spiele kaum rotieren musste. Zudem litt Hauger unter Verletzungsproblemen, Sobiech musste zwischendurch eine längere Rotsperre absitzen.

Sucht noch nach einem neuen Stürmer: Jörg Schmadtke /Foto: www.zaunsturm1905.de
Das größte Problem, was der Trainer und Manager Jörg Schmadtke ausgemacht haben, ist die begrenzte Offensivpower, die ohne Torjäger Mohammed Abdellaoue nur ein laues Lüftchen ist. Der zweitbeste Torschütze ist Jan Schlaudraff mit nur zwei Treffern, sonst kam kein eingesetzter Profi über ein Tor hinaus. Auch nicht Didier Ya Konan, der letzte Saison noch der treffsicherste Schütze war. Der Ivorer kam nach seinem Muskelfaserriss im Juli gar nicht richtig in Tritt und blieb vieles schuldig. Da darf auch die Kritik von Präsident Martin Kind nicht verwundern, der Ya Konan, der mit der Elfenbeinküste beim Afrika Cup weilt, Bequemlichkeit vorwirft. Ob berechtigt oder nicht, für die 96er bedeutet dies akuten Handlungsbedarf, weswegen die gesamte Zeit nach einem Knipser für den Sturm gefahndet wird. Bisher allerdings vergebens, Slomka und Schmadtke handelten sich nur Absagen ein. Meistens, weil die Beiden einen Angreifer suchen, der bis Saisonende geliehen werden kann, ein Kauf scheint nicht in Frage zu kommen. Die Suche sollte allerdings zeitnah beendet werden, besonders seitdem Abdellaoue angeschlagen ist und für den Rückrundenstart auszufallen droht – aktuell wäre dann nämlich mit Jan Schlaudraff nur ein bundesligatauglicher Stürmer voll einsatzfähig. Aber nicht nur vorne zwickt es, mit Christian Schulz und Sergio Pinto haben noch zwei andere Profis Verletzungen auszukurieren. Kritisch ist auch das Fehlen Hagguis, der wie Ya Konan beim Afrika Cup zum Einsatz kommt. Für den tunesischen Innenverteidiger fehlt gleichwertiger Ersatz, Mario Eggimann ist nicht viel mehr als unterer Bundesligadurchschnitt, wird aber mangels Alternativen neben Emmanuel Pogatetz auflaufen dürfen.
Verein und Umfeld
Eigentlich könnte man in Hannover mit dem bisher Erreichten zufrieden sein. Wie von Mirko Slomka prognostiziert behauptet sich seine Mannschaft in der oberen Tabellenhälfte, hält Kontakt zu den Europapokalplätzen und überwintert im internationalen Geschäft. Doch wie sooft findet zumindest der Präsident der Roten die Nadel im Heuhaufen. Martin Kind bemängelte vor wenigen Tagen die unzureichende Zusammenarbeit Slomkas und Schmadtkes, die auch schon in der Vergangenheit öfters in den Medien thematisiert wurde. Für den Vereinsoberen war dies jetzt wieder diskussionswürdig, da seiner Meinung nach durch diese Problematik eine Verpflichtung von Srdjan Lakic versäumt wurde und die Stürmersuche nun unnötig erschweren würde. Dies ließ der Manager natürlich nicht so stehen, und begründete die Aussagen Kinds mit dessen „Unkenntnis des Tagesgeschäfts“. Dennoch ist es kein Geheimnis, dass sich Schmadtke und Slomka schwer damit tun, gemeinsame Positionen zu finden, was dementsprechend für das ein oder andere Reizthema sorgen kann. Das muss grundsätzlich nichts Schlechtes sein, da durch eine gesunde Streitkultur unter Umständen noch bessere Ergebnisse erzielt werden können. Für Schmadtke ist auf jeden Fall sein Verhältnis des Trainers keins, was die Arbeit innerhalb des Klubs erschwert. Und dass ein Transfer wie der von Lakic scheiterte, liegt laut dem früheren Bundesligaprofi auch an der wirtschaftlichen Lage Hannovers. Die ist zwar gesund, lässt aber keine großen Sprünge zu. Und zu früheren Gebahren, als das Geld in Mengen zum Fenster hinausgeworfen wurde, wird man auch nicht bei akutem Bedarf wie jetzt im Sturm zurückkehren.
Saisonziel und Prognose
Was kann das Ziel für Hannover sein? Mit dem Abstieg wird man aller Wahrscheinlichkeit nach nichts zu tun haben, sich auf das Halten des einstelligen Tabellenplatzes zu konzentrieren, dürfte auch keine ambitionierte Aufgabe sein. So sollte, solange der Abstand nach oben so gering ist, wieder ein Platz unter den ersten Sechs angestrebt werden, was ein weiteres Jahr im Europapokal bedeuten würde. Dafür muss die Mannschaft weiterhin die nötige Konstanz zeigen und trotz der vorhandenen Doppelbelastung keinen Einbruch im Bundesligaalltag zulassen. Wünschenswert wäre auch, dass Abdellaoue seine aktuellen Verletzungsprobleme schnell hinter sich lässt und vorne wieder für die nötige Gefahr sorgt, ansonsten könnte 96 im Angriff vor größeren Problemen stehen. Aber auch so wird es für einen einstelligen Tabellenplatz definitiv reichen, der mit etwas Glück nach Europa führt.
Prognose: Platz 6-9
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