MAG-Analyse: Twitter, facebook & Co. und der Sport
20. Januar 2012, 13:28 geschrieben von informer, abgelegt unter Int-Fussball.
Neue Kommunikationswege bringen den brasilianischen Münchener Breno in die Bredouille: Nachdem er via Twitter kritisiert hatte, in der B-Elf des Dauermeisters aus München auflaufen zu müssen, ist er unter Druck. Denn er soll unter dem Account „Breno Borges@Breshow02“ verbreitet haben, dass ihm das Auflaufen in den Niederungen des Alpenvorlands auf die Ampel geht. „Was für eine Phase ich durchmache. Bayern macht eine Sauerei mit mir”, heißt es übersetzt. Nachzulesen für jeden – weltweit.
Neue Medien geben unverhoffte Einblicke
Leben 2012: Twitter, Facebook, Youtube & Co. machen’s möglich: Spannungen aus abgeschlossenen Bereichen landen noch warm auf dem Tisch – zusammen mit den noch heißen Brötchen vom Bäcker. Unzensiert und ohne Steuerung der Vereine etc. Was den Vereinen gehörig gegen den Strich geht, kommt bei den Fangemeinden gut an: Sie bekommen direkten Kontakt zu ihren Stars, egal, ob es sportlich interessante Dinge sind oder Privates ist. Die Verbände reagieren zunehmend – und erklären WM-Turniere, Spielvorbereitungen und Anderes zur kommunikationsfreien Zone, um Interna nicht nach außen dringen zu lassen.
Immer mehr Menschen entdecken Online-Kommunikation als Sprachrohr für sich. Nummer 1 der Online-Sportler ist Christiano Ronaldo…sein „Freundeskreis“ ist mittlerweile auf 38 Millionen Personen bei Facebook angewachsen. Wobei der Begriff „Freund“ die Sache nicht ganz trifft, wahrscheinlich würde Ronaldo den Großteil seiner „Freunde“ nicht mal erkennen, wenn er an der Kasse neben ihnen steht. Aber Ronaldo hebt eben einen Teil seiner Privatsphäre auf, und deshalb brummt sein Account: Neben seinen schönsten Toren gibt’s Urlaubsfotos und auch Unterwäsche-Plakate von ihm zu sehen. Und wenn er in Laune ist, fragt er sogar „Hey Leute, ich will mir einen Schnurrbart wachsen lassen. Was denkt ihr?“ Es bleibt abzuwarten, ob er alle zigtausend Kommentare wirklich liest….
Vor- und Nachteile für alle
Im Fall Breno zeigt sich, welchen Effekt Online-Medien haben: Sportjournalisten wussten schon von Brenos Unmut und klingelten bei Bayerns menschlichem Informationstor Hörwick an, um emotionale Reaktionen abzuholen… dumm nur, dass Hörwick selbst noch nichts von Brenos Gemütslage wusste (Trainer Heynckes und das Triumvirat Hoenbeckennigges übrigens auch nicht). In diesem Fall hat es Journalisten also nichts gebracht, schneller zu sein als die Information selbst – die Geschichte war blockiert. Und wenn sie künftig am Schreibtisch die „Follower“ verfolgen (also jeden, der den Twitter-News online hinterherhechelt), sind sie auch nicht mehr in der Mixed-Zone, um sich nach dem Spiel mit Kollegen um die besten Zitate zu prügeln. Schöne neue Welt?
Für die Sportler (und insbesondere Fußballer) bieten neue Medien ein neues Forum, sind also ein PR-Mittel. Kostenlos und mit mehr Resonanz als eine teure Agentur es garantieren könnte. Nur gibt es den Nachteil, dass man vorher denken sollte, bevor man seine Texte im Netz verewigt. Arsenal-Torwart Wojciech Szczesny zum Beispiel lästerte über ein Foto seines Klubkollegen Aaron Ramsey, dass er auf einem Foto aussehe wie ein Vergewaltiger. Die Wellen, die dieser Geistesblitz verursacht hat, kommen noch immer am Beckenrand in Arsenals Teampool an. Und in einem anderen Fall twitterte eine Schwimmerin schwulenfeindliche Neuigkeiten. Daraufhin durfte sie ihren Sponsorenvertrag vergessen und musste ihren 70.000 Euro teuren Jaguar wieder beim Händler abstellen.
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